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TU Berlin

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ZUR GESCHICHTE DER ARCHITEKTENAUSBILDUNG AN DER TU BERLIN

Die Architektenausbildung in Berlin kann auf eine über 200jährige Tradition verweisen. Spätestens mit der 1799 gegründeten Bauakademie haben Lehrer und Schüler der verschiedenen die Architekturausbildung tragenden Institutionen das Bild der Stadt Berlin und anderer Metropolen geprägt. Insbesondere in den zwanziger Jahren sind die Ausbildungsstätten Orte heftiger Auseinandersetzungen zwischen den Protagonisten fortschrittlicher und traditioneller Strömungen gewesen. Die kritische Betrachtung der Stadt und der Architektur sowie die Frage nach neuen städtischen Lebensqualitäten und ihren Ausdrucksformen erfuhr eine kurze Blüte. Nazi-Regime und Zweiter Weltkrieg zerstörten geistig wie materiell die Basis dieser immer auch humanistischen Idealen verpflichteten, fortschrittlichen Lehre und Forschung.

Aufbruch

Ernst-Reuter-Platz 1956
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Kriegszerstörungen am Hauptgebäude der TU Berlin
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Mit der Neugründung der Technischen Universität 1946 nimmt auch die Fakultät für Architektur ihre Arbeit wieder auf. Vom weitgehend zerstörten Hauptgebäude wird die Ausbildung in den Erweiterungsbau verlagert. Zahlreiche Lehrer der Fakultät tragen zum Wiederaufbau der Stadt wie auch der universitären Einrichtungen bei.
Wirtschaftswunder und bedingungsloser Fortschrittsglaube bedienen sich der Theorien der Moderne, insbesondere des Städtebaus, und prägen bis zum Ende der 60er Jahre – weitgehend gesellschaftlich akzeptiert – das Bild der Stadt. Die sich verfestigenden Strukturen von Hochschule und Gesellschaft, aber auch die konkreten Ergebnisse des Wiederaufbaus geraten aber immer vehementer in die Kritik nicht nur der den demokratischen Neubeginn beim Wort nehmenden Studentenschaft.


Umbruch

Ernst-Reuter-Platz 1966
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Das Architekturgebäude im Bau, 1964
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In die Phase der heftigsten politischen Auseinandersetzungen in Hochschule und Gesellschaft fällt der Umzug der Fakultät für Architektur in das von Bernhard Hermkes geplante, 1968 fertig gestellte Architekturgebäude am Ernst-Reuter-Platz. 1969 wird auch der von Hans Scharoun geplante Flachbau vollendet, der zunächst die Städtebauabteilung aufnimmt.
1969 werden in der Folge der Studentenproteste des Jahres 1968 die neun Fakultäten der Technischen Universität in 22 Fachbereiche aufgegliedert. Diejenigen Fachgebiete, welche die Architektenausbildung tragen, verteilen sich nun auf drei Fachbereiche: die Gesellschafts- und Planungswissenschaften (FB 2, ca. 22%), die Umwelttechnik (FB 21, ca. 14%) und den Fachbereich für Bauplanung und -fertigung (FB 8, ca. 64%), der für die Architekturausbildung die Federführung hat. Wie an anderen Ausbildungsstätten auch wird die politische Diskussion äußerst heftig geführt. In der Ausbildung erhalten die sozialen, ökonomischen und planerischen Aspekte breiteren Raum, teilweise steht der theoretische Diskurs allein im Vordergrund. Architektinnen und Architekten sehen sich zunehmend in ihrer sozialen und politischen Verantwortung gefordert. Manch Lehrender kann diesen Wandel nicht mitvollziehen und verlässt die Hochschule. Parallel zu dieser Entwicklung verläuft der starke Anstieg der Studierendenzahlen. Die Universität – und auch die Architektenausbildung – wird zum Massenbetrieb. War der Neubau des Architekturgebäudes zunächst für 600 Studierende geplant, sind es beim Bezug des Gebäudes schon über 1000. In den 90er Jahren ist der FB 8 mit 2500 Studierenden einer der größten Fachbereiche der TU.

Streik 1989
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Demonstration nach dem Attentat auf Rudi Dutschke, 12.4.1968
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Die Bilder von 1969/70 und 1988/89 gleichen sich: Protest gegen die schlechte Ausbildungssituation, Forderungen nach mehr Mitbestimmung legen den Lehrbetrieb zeitweilig lahm. 1993/94 sind es die einschneidenden Sparmaßnahmen, die die Hochschulen treffen sollen, gegen die sich der breite Protest aller Gruppen richtet.

Streik im Wintersemester 1993/94
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Durchbruch?

Neue Strukturreformen bahnen sich an. Die starke Zersplitterung der Wissenschaftsbereiche war nur ein Grund dafür, die Zahl der organisatorischen Grundeinheiten nunmehr wieder zu reduzieren. U.a. wurde der Fachbereich Bauingenieurwesen und Angewandte Geowissenschaften zur Fakultät VI (Bauingenieurwesen und Angewandte Geowissenschaften), aus dem Fachbereich Umwelt und Gesellschaft und dem Fachbereich Architektur entstand die Fakultät VII (Architektur Umwelt Gesellschaft).

2005 wurden die Fakultäten VI und VII zur  heutigen Fakultät VI – Planen Bauen Umwelt – zusammengeführt. Mit dieser Verknüpfung aller bau- und raumbezogenen Wissenschaften bietet die Fakultät eine bundesweit einmalige und international exemplarische Fächer- und Studiengangsstruktur von planungs-, raum- und baubezogenen Wissenschaften.

Im Institut für Architektur wurden nach Abschluss dieser Fakultätsneugliederung schließlich im Jahr 2006 über 20 Fachgebiete und Einrichtungen zusammengeführt.
Trotz erheblicher Kürzungen beim wissenschaftlichen Personal und dem Wegfall von Hochschullehrerstellen gewährleisten sie mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten die notwendige fachliche Bandbreite der Architektenausbildung.

Mit der Einführung der Bachelorausbildung im Jahr 2005 und dem Masterstudium ab 2008 stand der Architektenausbildung ein erneuter Wandel bevor. Diese Reform wurde von Fakultät und Institut konsequent genutzt, um einerseits neue Vertiefungsbereiche anzubieten und zugleich neue, eigenständige Master-Angebote zu entwickeln. Hierzu gehört u.a. der deutschlandweit einmalige Master in Urban Design.
Viele der heute an der TU Berlin Studierenden kommen genauso wie immer mehr Dozenten aus dem Ausland. So wird ein Teil der Veranstaltungen, besonders Entwurfs-Projekte, auch in englischer Sprache durchgeführt.
Beiträge zur Erneuerung und Weiterentwicklung von Architektur und Stadt in Europa, aber auch zur Bereitstellung menschenwürdiger Wohn- und Lebensbedingungen insbesondere in den Ländern des Südens sind dabei wichtige Themen, die es angesichts des dramatischen wirtschaftlichen und sozialen Wandels in allen Regionen der Welt immer wieder aufzugreifen gilt.

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Die Universitätsdiziplin Architektur steht zusammen mit anderen planungs- und baubezogenen Disziplinen in einer besonderen gesellschaftlichen und ethischen Verantwortung für die künftige Gestaltung der baulichen Umwelt. Diese Verantwortung betrifft zunächst den gestalterischen und kulturellen Auftrag der Architektur. Darüber hinaus ergibt sie sich in besonderer Weise im Hinblick auf den durch bauliche Maßnahmen verursachten massiven Ressourcenverbrauch und seine Folgen für die Umwelt. Zugleich sind Architektur und Stadt weltweit einem dramatischen wirtschaftlichen und sozialen Wandel ausgesetzt und prägen die damit verbundenen Transformationsprozesse aktiv mit. Diese Situation erfordert Beiträge zur Erneuerung und Weiterentwicklung von Architektur und Stadt in Europa aber auch einen Beitrag zur Bereitstellung menschenwürdiger Wohn- und Lebensbedingungen insbesondere in den Ländern des Südens. Die TU-Architektur will sich in ihrer Programmatik und Arbeit dieser Herausforderung in besonderer Weise in Lehre, Forschung und Weiterbildung stellen.

(Institut für Architektur, Strategie 2012, Stand 15.2.2007)